Berlin, S-Bahn Station Wollankstrasse

DSCF4662.jpgFoto: Mathias Butte

Der S-Bahnhof Berlin-Wollankstraße, weder besonders glamourös, noch besonders heruntergekommen, liegt an der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Genau genommen liegt er im Bezirk Pankow, also im ehemaligen Ostteil der Stadt. Genutzt werden konnte er aber während der Teilung Berlins nur von West-Berlin aus – allerdings betreut vom Personal der (DDR-)Reichsbahn. Die Zugabfertiger aus Ost-Berlin konnten den Bahnhof nur durch eine kleine Tür hinter den Grenzsicherungsanlagen betreten.

1962 wurde in den Gewölben unter dem Bahnhof ein Fluchtunnel entdeckt: Von West-Berlin aus hatte man versucht, bis zu einem Haus in Pankow zu graben, Der Tunnel stürzte allerdings ein und die DDR präsentierte in einer internationalen Pressekonferenz den Tunnel als angebliche „Agentenschleuse“.

Heute gibt es hier weder Tunnelgräber noch Agentenjäger. Die einen wohnen jetzt in Pankow, die anderen sind unbekannt verzogen.

Budapest, Hungarian National Gallery

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Foto: Mathias Butte

Die Ungarische Nationalgalerie in Budapest ist – vor allem in Bezug auf die ungarische Kunst des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – eine sehenswerte Institution. Die ausgestellten Bilder und Skulpturen aus dieser Epoche zeigen eindrucksvoll, wie modern und weltoffen Budapest zu dieser Zeit gewesen ist. Die Präsentation wählt präzise einige herausragende und wichtige Werke, die ein gutes Gesamtbild hinterlassen und für Staunen bei denjenigen sorgen, die bisher keine Kenntnisse ungarischer Kunst hatten.

Berlinale 2012: Shadow Dancer

Shadow Dancer ist einer dieser Filme, die einen am Schluss für einen Moment sprachlos im Kinosessel zurücklassen. Wenn der Beginn des Abspanns das Ende des Filmes verkündet und man hat das Gefühl, aus einer intensiven, sowohl schauspielerisch als auch dramaturgisch überzeugenden Vorstellung entlassen zu werden, weiß man, warum es Kinofilme geben muss. Wenn dann noch – wie in diesem britisch-irischen Beitrag (außer Konkurrenz) auf der diesjährigen Berlinale, die Kamera solche berührenden, mit melancholischer Poesie gefärbten Bilder in der Erinnerung zurücklässt, hat das Wort „Filmkunst“ eine umfassende Berechtigung.

Der von James Marsh mit den überzeugenden Hauptdarstellern Clive Owen und Andrea Riseborough inszenierte Film spielt zu den Zeiten der Friedensverhandlungen zwischen der IRA und Großbritannien Anfang der 90er Jahre im nordirischen Belfast. Erzählt wird die Geschichte von Colette McVeigh (Riseborough), die aus einer klassischen, den Verhandlungen ablehnend gegenüberstehenden IRA-Familie stammt und nach einem gescheiterten Bombenattentat in London vom Inlandsgeheimdienst MI5 festgenommen wird. Der Anti-Terror-Agent Mac (Owen) bietet ihr an, mit dem britischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten und ihre IRA-Kontakte auszuspähen: Colette hat einen kleinen Sohn, den sie anderenfalls nur noch bei Besuchen im Gefängnis sehen würde. Colette nimmt an, wohlwissend, dass diese Kollaboration ihr Leben kosten könnte. Die Geschichte entwickelt sich anders als geplant. Schon bald verrät Colette an Mac einen Mordplan, der dadurch vereitelt wird. Sie gerät ins Visier der operativen Führung des radikalen IRA-Flügels, die sie für eine Verräterin halten…

Pop Life – Kunst im Herbst

Keith Haring

Wieder grau draußen, wieder Regen. Wetter wie in London. Apropos London, da war ich gerade und habe mich auf der Suche nach etwas Sonne in Museen geflüchtet. Und ich wurde fündig: „Pop Life – Art in a Material World“ heißt eine Ausstellung, die zurzeit in der Londoner Tate Modern gezeigt wird. Mediales Aufsehen erregte die Show, als kurz nach Beginn ein Werk von Richard Prince wieder entfernt wurde, das ein Foto der nackten 10-jährigen Brooke Shields verwendete. Aber auch darüber hinaus gibt es einige Räume, die Minderjährige nicht betreten dürfen: Ein Raum mit den expliziten Werken, die Jeff Koons mit seiner damaligen Gattin Cicciolina in eindeutigen Posen zeigt, ein Video von Andrea Fraser beim gekauften Liebesakt mit einem Sammler und der Raum mit Cosey Fanni Tutti’s Aktionen zum Thema Prostitution. „Skandalkunst“ also im „Zwei-Räume-Takt“. Doch der Skandal ist nicht der Schlüssel zum Erfolg der Ausstellung; es ist vielmehr der Reiz der Reise in einen Bereich der zeitgenössischen Kunst-Produktion, als Künstler noch Pop-Stars und Kunst bunt und grell war. Ausgehend von Andy Warhol (mit sehr starken Werken!) beginnt der Besucher eine Reise, die ihn von den Siebzigern bis in die Gegenwart führt und die den Aspekt der Kunst akzentuiert, die sich mit dem realen, von Medien und Starkult beeinflussten Alltag in der kapitalistischen Welt beschäftigt. „Art in a Material World“ eben. Nach Warhol als Übervater der Bewegung widmen sich die Kuratoren den amerikanischen Jung-Stars der Achtziger:

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Neben Koons und Prince wird noch Keith Haring mit einem eigenen Raum gefeiert. Über Martin Kippenberger geht es weiter in die Neunziger der Young British Artists (Tracey Emin) bis in die Gegenwart. Damien Hirst ist mit einer Reihe neuer Werke vertreten, die im wahrsten Sinne schlichtweg brillant sind. Die drei letzten Räume sind Piotr Uklanski, Maurizio Cattelan und Takashi Murakami gewidmet. Uklanskis Installation von Gemälden mit den Darstellern von Nazi-Offizieren in Hollywood-Filmen kannte ich noch nicht und Murakamis Raum ist ein einziger Japan-Comic-Overkill. Ein super-poppiges (in Kollaboration mit McG inszeniertes) Video „Akihabara Majokko Princess“ mit Hollywood-Star Kirsten Dunst als blauhaarigem Japan-Mädchen ist der knall bunte Abschluss einer Ausstellung, die so richtig Spaß macht und den Besucher ein doppeltes, nämlich sowohl intellektuelles als auch sinnliches Vergnügen beschert. (Noch bis 17. Januar 2010 in der Tate Modern, London, von 12. Februar bis 09. Mai 2010 in der Hamburger Kunsthalle)

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